Hugo Tortorissi, Internationale Sozialistische Liga.

Der 3. Kongress der Internationalen Sozialistischen Liga in Istanbul war ein großer Schritt vorwärts für die Politik der weiteren Umgruppierung von Revolutionär:innen der Welt. Dies geschah auf der Grundlage wichtiger politischer Vereinbarungen, eines antikapitalistischen und sozialistischen Programms, einer revolutionären Strategie und einer notwendigen Methode, diese Vereinbarungen über alles zu stellen. Zugleich wird die unterschiedliche Herkunft und die Erfahrungen ihrer Mitglieder respektiert und gelernt, mit Nuancen oder teilweisen Unterschieden zu leben, die bei allen lebendigen Revolutionär:innen immer auftreten können. Diese Methode ermöglichte die Abhaltung eines historischen Kongresses, der im Gegensatz zum Kontext der Fragmentierung und Spaltung anderer Kräfte steht. Ein Kongress mit Delegierten aus 38 Ländern, auf dem alle Kontinente vertreten waren, mit weiteren eingeladenen Organisationen und der Perspektive, in der kommenden Zeit weiter voranzukommen, inmitten der großen Herausforderungen, die die komplexe internationale Lage uns stellt. Der Schritt, den wir auf diesem 3. Kongress getan haben, ist bedeutend, leistet einen Beitrag, und es bleibt noch viel zu tun auf dem Weg zum Aufbau einer großen internationalen und einer größeren revolutionären Umgruppierung. Wir werden weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um einen Beitrag zu dieser Aufgabe zu leisten.

Da wir die Schlussfolgerungen des Kongresses mit Tausenden von Arbeiter:innen und jungen Aktivist:innen auf der ganzen Welt teilen, zieht er auch klar die Aufmerksamkeit anderer Organisationen auf sich. Im Falle der Trotzkistischen Fraktion (FT) der argentinischen PTS, die sich nun Strömung Permanente Revolution (SPR; im Englischen: Permanent Revolution Current, CRP) nennt, hat unser Kongress leider dazu geführt, dass Nathaniel Flakin hastig einen Text verfasst hat, den wir für politisch sehr dürftig halten (1). Er drückt eine Kombination aus politischem Unverständnis für die aktuellen Aufgaben, Unwahrheiten, einigen Verleumdungen und einer etwas ungewöhnlichen Methode aus: Der Artikel handelt vom 3. Kongress der ISL, aber er nimmt keinen Bezug auf die dort verabschiedeten Resolutionen oder die dem Kongress vorgelegten politischen und programmatischen Texte, die alle öffentlich zugänglich sind und auch dem Autor zur Verfügung standen, der sich jedoch nicht einmal die Mühe gemacht hat, sie zu lesen. Daher die Oberflächlichkeit und mangelnde Seriosität seiner Kommentare und falschen Anschuldigungen.

Kommen wir jedoch zu den zentralen Debatten, die uns der Text der Trotzkistischen Fraktion (SPR) vorschlägt. Schon der Titel und die Einleitung sind äußerst inkohärent, wenn gefragt wird, auf welcher Grundlage sich verschiedene Strömungen in der ISL zusammenschließen. Dann kündigt der Autor an, dass er die „dünnen“ Grundlagen unserer neuen Gruppierung erläutern werde. Offen gesagt muss es einem an Ernsthaftigkeit mangeln, um einen Artikel mit dem Thema Schwäche zu beginnen, wenn man sich auf einen Kongress bezieht, der die internationale Einheit der Revolutionär:innen auf der Basis von Übereinkünften über die wichtigsten Ereignisse des Klassenkampfs der jüngeren Zeit und auf der Basis eines umfassenden programmatischen Manifests vorantrieb, das sich nicht nur auf die aktuelle internationale Situation bezieht, sondern auf jeden politischen und programmatischen Punkt in der Strategie der sozialistischen Weltrevolution.

Der Autor des Artikels hatte Zeit, haltlose historische und aktuelle Debatten zu erfinden, aber er hatte keine Zeit, zu lesen, ernsthaft zu studieren oder zumindest eine schlüssige oder kritische programmatische Meinung zu dem zu äußern, was unser Kongress diskutiert und beschlossen hat. Die Wahrheit ist, dass es in der Tat eine schwache Methode ist, eine Bewertung und unbegründete Meinungen zu schreiben, ohne sich auf die tatsächlichen Dokumente und Beschlüsse zu beziehen, eine Methode, die dem revolutionären Internationalismus völlig fremd ist. Aus diesem Grund enthält unser Artikel zunächst einen Link zu unserem programmatischen Manifest und allen unseren Dokumenten und Stellungnahmen, damit alle Leser:innen sich darüber informieren können (2). Und damit die FT (SPR), wenn sie eine ernsthafte Debatte führen will, damit beginnen kann, die Texte zu lesen und sich auf deren tatsächlichen Inhalt zu beziehen. Das wäre eine gute Methode, die zu einer positiven Debatte führen würde, für die die ISL immer offen ist.

Der Artikel der FT (SPR) versucht, die auf dem 3. ISL-Kongress erzielten Fortschritte in Frage zu stellen, liefert aber letztlich nur eigene Verwirrungen zum Krieg in der Ukraine. Ohne Beweise vorzulegen – weil es keine gibt –, wirft er der ISL Pro-NATO-Positionen und unklare Texte zu diesem Thema vor. In dieser Debatte geben der Autor und seine internationale Strömung einfach ein Schlüsselprinzip des revolutionären Marxismus während Kriegen auf: das Recht der Völker auf Selbstbestimmung. Nicht die ISL ist unklar, wir haben immer das Recht des ukrainischen Volkes verteidigt, sein Territorium zu verteidigen, sind dabei aber stets unabhängig und kritisch gegenüber der Regierung Selenskyj geblieben und haben alle Pläne und Aktionen der NATO angeprangert. Die trotzkistische Fraktion (SPR) hingegen hat die ukrainischen Arbeiter:innen von Anfang an im Stich gelassen und ihnen das Recht verweigert, sich gegen die Invasion einer imperialistischen Macht zu verteidigen. Im Gegensatz dazu vertrat die ISL stets die Auffassung, dass dieser Krieg folgenden Charakter hat: „Der Krieg verbindet zwei Prozesse. Einerseits die Invasion einer imperialistischen Macht in ein halbkoloniales oder nichtimperialistisches Land, das sie historisch unterdrückt hat, und der gerechte Widerstand des ukrainischen Volkes zur Verteidigung seiner Selbstbestimmung und Souveränität. Andererseits eine konzentrierte Verschärfung des zwischenimperialistischen Kampfes zwischen der NATO und Russland, die versuchen, ihre jeweiligen imperialistischen Interessen auf Kosten des Lebens der ukrainischen und russischen Werktätigen durchzusetzen.“ (3)

In dieser Situation besteht die einzig richtige und revolutionäre Politik darin, auf diese kombinierte und integrale Wirklichkeit zu reagieren. Die FT (SPR) hat keine richtige Politik angesichts dieses Krieges. Darüber hinaus hat sie keine/n einzige/n Militante/n in der Ukraine oder der Region. Das ist logisch, wenn man bedenkt, dass ihre Position, obwohl sie versucht, dies zu vertuschen, immer eine Kapitulation vor dem russischen Imperium und Putins Invasion war.

Eine (erfundene) Geschichte, um zu spalten

Der Text der Trotzkistischen Fraktion, der die Lage der ISL bewerten will, ist ebenfalls mit der selbst ernannten Autorität geschrieben, die jahrelange Geschichte der Organisationen der ISL und derjenigen, die sich diesem 3. Kongress angeschlossen haben, zu beurteilen. Wir bedauern, dass die Methode der FT auch in diesem Punkt Unwahrheiten mit der Weigerung verbindet, sich auf eine ernsthafte Debatte einzulassen.

So enthält der Artikel beispielsweise eine Reihe von Verleumdungen über unsere Sektion in der Ukraine, während er völlig außer Acht lässt, was die Ukrainische Sozialistische Liga (ISL-Sektion) ist, welche Politik sie vertritt, wer ihre Mitglieder sind und welche Aktivitäten sie durchführen. Die Kommentare des Autors der FT (SPR) sind leeres Gerede. Er wiederholt schamlos einen alten Text der SEP aus der Türkei: „Das größte Problem, wie die SEP bei ihrer Abspaltung von der ISL im Jahr 2022 betonte, ist, dass Vernik derzeit mit rechtsextremen Nationalisten zusammensitzt und sogar den ukrainischen faschistischen Führer Stepan Bandera lobt“ (4). Das Mindeste, was man sagen kann, ist, dass man völlig unverantwortlich und unehrlich sein muss, um solche Barbareien und Verleumdungen gegen einen ukrainischen sozialistischen Aktivisten zu schreiben, der derzeit in einem besetzten Land aktiv ist. Diese absolut falschen Anschuldigungen stammen von Pro-Putin-Gruppen, die von diesem Apparat finanziert werden, um sie zu verbreiten. Deshalb ist es skandalös, dass der Autor der FT sie wiederholt zitiert und sich sogar zu eigen macht – was für eine schreckliche Methode zeugt. Die ukrainische Sektion der ISL besteht aus ehrlichen Arbeiter:innen und jungen Sozialist:innen, die nichts mit rechtsextremem Nationalismus zu tun haben, was angesichts der Absurdität dieser Anschuldigung gar keiner Erklärung bedarf. Der Artikel bezieht sich auch in verleumderischer Weise auf Ereignisse, die sich vor vielen Jahren zugetragen haben, mit der Absicht, ukrainische sozialistische Aktivist:innen zu diskreditieren. Diese Ereignisse liegen lange zurück, und wir haben nichts dagegen, gegebenenfalls ein unabhängiges Tribunal einzuberufen, um alles zu klären und die Dinge richtigzustellen.

Um ein weiteres Beispiel zu nennen: Im Fall Argentiniens erfindet der Autor der FT (SPR) direkt eine völlig unbegründete Geschichte und behauptet, dass sich die MST 2019 der FIT-U angeschlossen habe, nachdem sie jahrelang angeblich nicht-sozialistische Bündnisse vorangetrieben habe. Zunächst einmal erinnern wir ihn daran, dass die erste FIT in Argentinien 1993 von der MST zusammen mit der PO gegründet wurde. Die FIT wurde dann 2011 neu gegründet und, wie ihre eigenen Mitglieder öffentlich anerkennen, ausschließlich zu dem Zweck, die Hindernisse eines restriktiven Wahlsystems zu überwinden, und ist seitdem nichts weiter als das: eine Wahlfront. Wir erinnern ihn auch daran, dass die MST der FIT seit den Wahlen 2013 wiederholt Vorschläge in Briefen und Anträgen auf Treffen unterbreitet hat, um die Einheit der antikapitalistischen und sozialistischen Linken voranzubringen, und dass sie bei den Wahlen 2015 und 2017 darauf bestanden hat. In allen Fällen lehnte ein kindisches Sektierertum der damaligen FIT (PTS-PO-IS) diese notwendige Einheit ab. Wann wurde es möglich, mit dem Beitritt der MST die FIT-Unidad voranzutreiben? Nach zwei bedeutenden Provinzwahlen in Córdoba und Santa Fe, bei denen die MST in der ersten einen Sitz gewann und in der zweiten praktisch gleich viele Stimmen wie die FIT erhielt. Erst dann und nur auf der Grundlage von Wahlberechnungen wandte sich die PTS (die die FT anführt) an die MST und öffnete sich für eine Einigung, die schon Jahre zuvor hätte erzielt werden können, wenn sie nicht gleichzeitig mit einer so wahltaktischen und geschlossenen Logik gehandelt hätte. Wir fügen hinzu, dass der Autor auch die vergangene und gegenwärtige Debatte über die sogenannten breiten Parteien falsch darstellt. Wenn er sich entscheidet, das Thema tatsächlich zu diskutieren, kann er damit beginnen, die Resolution des 3. Kongresses der ISL zu diesem Thema zu lesen.

Wir werden nicht weiter auf andere in dem Artikel erwähnte Beispiele aus der Vergangenheit eingehen. Auch nicht auf die sehr unseriöse Darstellung der Geschichte der ITO in dem Artikel, die er beiläufig beschuldigt und herabsetzt, indem er sagt, dass „sie sporadische internationale Verbindungen hatte“. Oder seinen Verweis auf die L5I, die er beschuldigt, „langsam in sozialchauvinistische Positionen abzugleiten“. Auch nicht auf die völlige Unkenntnis, die er gegenüber unseren Genoss:innen von The Struggle of Pakistan an den Tag legt, von denen er behauptet, dass „vor ihrem Beitritt zur ISL die Mehrheit sich offenbar 2023 wieder von der ISL abgespalten hat, aber wir konnten dazu nicht viele Informationen finden“. Mit anderen Worten: Der FT-Autor hat keine Ahnung, aber er äußert sich trotzdem, weil Reden frei ist. Es gibt bereits zu viele Beispiele für eine solche irrtümliche und falsche Methode.

Wir werden nicht weiter auf historische Fragen eingehen, die so weit zurückliegen. Wir führen diese Beispiele nur als Antwort an, ohne weitere Verweise zu machen, weil wir die Methode, antikapitalistische und sozialistische Strömungen auf der Grundlage von Analysen vergangener Jahrzehnte miteinander in Zusammenhang zu bringen, nicht teilen. Dies ist ein Weg, der nirgendwohin führt und nur von Strömungen beschritten wird, die keinen Fortschritt in einem Einigungsprozess anstreben, sondern Hindernisse und Ausreden schaffen, um sich keinem Prozess echter und loyaler Einheit anzuschließen, und sich weiterhin als die „einzige“ revolutionäre Strömung zu betrachten, obwohl sie auf internationaler Ebene eine sehr begrenzte und schwache Kraft sind, mit sichtbaren politischen und methodischen Fehlern auf ihrem Weg, wie sie verschiedene Strömungen hatten, da niemand von Fehlern ausgenommen war oder ist. Das Problem ist, welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden und wie man positiv vorankommt.

Die darunterliegende Debatte: Die FT weigert sich, die Revolutionär:innen neu zu gruppieren.

Zu den wichtigen Punkten, die der Artikel, auf den wir uns beziehen, übersieht, gehört unser Aufruf, die Revolutionär:innen weltweit weiterhin neu zu gruppieren. In unserer Resolution des 3. Kongresses heißt es eindeutig: „Wir richten diesen Aufruf zur Einheit an nationale Organisationen, Parteien oder Gruppen, die sich als antikapitalistisch, sozialistisch und revolutionär verstehen, insbesondere an internationale Kräfte innerhalb des trotzkistischen Lagers, die für diese Debatte über eine internationale Neuformierung offen sind. Wir schlagen vor, mit allen, die bereit sind, sich auf der Grundlage einer aktuellen Übereinstimmung über die wichtigsten Prozesse des Klassenkampfs, eines Programms für revolutionäre Aktion und den Übergang zum Sozialismus und, ganz grundlegend, auf der Basis eines gesunden demokratischen Zentralismus zusammenzuschließen, voranzuschreiten. Dieser Zentralismus sollte zentralisierten politischen Interventionen mit militanten Kampagnen und dem Aufbau revolutionärer Parteien in jedem Land Vorrang einräumen, während gleichzeitig dem demokratischen Pol, der kollektiven Debatte, der Toleranz gegenüber Unterschieden und Nuancen sowie dem Respekt vor nationalen Organisationen, ihren Rhythmen, ihrer Dynamik und ihrer Führung großes Gewicht beigemessen wird.“ (5).

Leider wird, anstatt einen tiefgreifenden Austausch darüber anzubieten, die gesamte Herangehensweise und Struktur des Artikels der FT (SPR) und damit auch ihre politische Position und Methode des internationalen Aufbaus von einem zentralen Problem bestimmt: Sie lehnen die Politik der Umgruppierung der Revolutionär:innen in der Welt ab. Sie messen etwas, das eindeutig eine lebenswichtige Bedeutung hat, keine Beachtung bei: die größten politischen und methodischen Anstrengungen zu unternehmen, um antikapitalistische und sozialistische Organisationen auf der Grundlage tiefer politischer und programmatischer Übereinstimmungen zu vereinen.

Die FT (SPR) wiederholt damit die Methodik anderer Strömungen des Trotzkismus, die von Bruch zu Bruch und von Krise zu Krise leben. Sie beschränken sich auf eine Aufbaumethode, die sich um eine etwas weiter entwickelte nationale Partei (in diesem Fall die PTS in Argentinien) dreht, und geben vor, daraus eine zu 100 % homogene Internationale nach dem Vorbild und Ebenbild der zentralen Partei aufzubauen, unter dem ungewöhnlichen Namen „organischer Internationalismus“, der eher ein Euphemismus für Einheitsdenken und Monolithismus ist. Aus dieser Vorstellung heraus leben sie in dem Irrglauben, dass es außer ihnen keine anderen revolutionären Strömungen oder wertvollen Erfahrungen aus anderen Traditionen gibt. Aus dieser Methode des Aufbaus heraus werden die übrigen Strömungen bestenfalls als zentristisch oder schlimmstenfalls als zum Reformismus neigend wahrgenommen. Letztendlich ist dies die schädliche These, sich für die einzigen Revolutionär:innen zu halten.

So kommt der FT-(SPR)-Artikel zu einer ungewöhnlichen Definition, wenn er der ISL vorwirft: „Ein solcher folkloristischer Internationalismus (basierend auf dem ‚Koexistieren‘ auf der Grundlage ‚teilweiser Unterschiede‘) hat nichts mit der Art des vereinten revolutionären Kampfes zu tun, wie er von der 1919 gegründeten Kommunistischen Internationale oder der Vierten Internationale von 1938 verkörpert wurde.“ Es wäre schwierig, eine Definition zu finden, die der Geschichte des wirklichen revolutionären Internationalismus so fremd ist. Erstens, weil, wie wir bereits erklärt haben, die ISL auf der Grundlage tiefer politischer, programmatischer und strategischer Übereinstimmungen aufgebaut ist. Wer dies leugnet, wie in diesem Fall die FT, leugnet die Wirklichkeit. Und zweitens koexistieren diese Übereinstimmungen mit offenen Debatten, Nuancen oder Teilunterschieden, wie es in der revolutionären Bewegung schon immer der Fall war. Wir wissen nicht, woher der Verfasser der Stellungnahme eine Geschichte der Internationalen nimmt, in der es keine Differenzen gab. In der bolschewistischen Partei wie auch in der Dritten Internationale führten Lenin, Trotzki, Bucharin, Sinowjew, Kamenew, Rosa Luxemburg und andere wichtige Führer Debatten und Polemiken. Es gab keine einstimmigen Abstimmungen, es gab politische und theoretische Diskussionen mit unterschiedlichen Positionen. Waren sie folkloristisch? Nein, sie waren Revolutionär:innen, die echten, lebendigen, offenen Internationalismus betrieben. Die einzige Methode des internationalen Aufbaus, die versuchen kann, eine große Organisation zu schaffen, und sich nicht mit dem Aufbau einer kleinen monolithischen Strömung zufriedengibt.

Dies ist die zentrale Debatte, die heute ein großer Teil der aus dem Trotzkismus hervorgegangenen Strömungen, einschließlich der FT (SPR), nicht versteht: Die Notwendigkeit, einen internationalen revolutionären Pol mit Gewicht in verschiedenen Ländern aufzubauen, erfordert eine Methode der Umgruppierung von Revolutionär:innen, mit Geduld, mit politischer und programmatischer Übereinstimmung, mit Respekt vor den unterschiedlichen Erfahrungen und Traditionen. Der Fokus muss auf den Übereinstimmungen der Gegenwart und den strategischen Projekten für die Zukunft liegen und nicht auf den unterschiedlichen Auffassungen vergangener Jahrzehnte. Kurz gesagt: Die Erfahrung zeigt, dass die Methode, sich selbst als „die revolutionäre Strömung“ mit offenbarten Wahrheiten zu betrachten, überholt ist. Diese Methode führt nur zu denselben Problemen, die wir in den letzten Jahrzehnten gesehen haben und die sich immer häufiger in einer zunehmenden Fragmentierung und Spaltung äußern. Etwas, von dem vielleicht auch die FT (SPR) selbst in Zukunft nicht verschont bleiben wird, wenn sie nicht beginnt, die Tiefe der Debatte und die Wirklichkeit anderer neuerer Erfahrungen zu verstehen.

Aus all diesen Gründen wird die ISL weiterhin einen echten Prozess des internationalistischen Aufbaus und der revolutionären Neuformierung mit all jenen Führer:innen und Organisationen vorantreiben, die bereit sind, diese Herausforderung anzunehmen. Aus diesem Grund haben wir, über diese notwendige Antwort auf einen Beitrag hinaus, den wir politisch und methodisch für zutiefst falsch halten, kein Problem damit, diese Frage öffentlich mit der FT (SPR) zu diskutieren und Foren, Treffen oder Gespräche über internationale Politik und die verschiedenen Methoden des Aufbaus zu veranstalten. Dazu wäre es gut, wenn sie ihr Programm und ihre Texte zur Strategie beisteuern würden, sofern sie solche haben, da dieser lange und falsche Beitrag, den sie uns gewidmet haben, sich ausschließlich darauf bezieht. Wir können so oft wie nötig eine offene und bereichernde Debatte führen. Obwohl der Artikel ganz klar eine Ablehnung eines solchen entscheidenden Umgruppierungsprozesses zum Ausdruck bringt, rufen wir sie auf, all dies noch einmal zu überdenken und sich irgendwann wirklich für einen tiefgreifenden Austausch und eine Debatte über all diese Fragen zu öffnen, die die Perspektiven und die Zukunft der sozialistischen Revolution in der Welt ausmachen.

Endnoten:

1. Ideas & Debates: ISL, LFI, ITO — Trotskyist Tendencies Unite, but on What Basis? veröffentlicht auf LeftVoice https://www.leftvoice.org/isl-lfi-ito-trotskyist-tendencies-unite-but-on-what-basis/?utm_source=chatgpt.com

2. 3rd Congress of the ISL: Documents and Resolutions: https://lis-isl.org/en/2025/12/3rd-congress-of-the-isl-documents-and-resolutions/ (auf arbeiterinnenmacht.de veröffentlichen wir schrittweise Übersetzungen der Kongressergebnisse ins Deutsche)

3. Der Krieg in der Ukraine zwei Jahre nach der russischen Invasion, veröffentlicht auf arbeiterinnenmacht.de: https://arbeiterinnenmacht.de/2024/05/04/der-krieg-in-der-ukraine-zwei-jahre-nach-der-russischen-invasion/

4. Eine Auseinandersetzung mit den Anschuldigungen der SEP hat die ISL an anderer Stelle veröffentlicht, siehe Oleg Vernik, USL: On the ISL and SEP debate, veröffentlicht auf: https://lis-isl.org/en/2022/11/sobre-el-debate-de-la-lis-y-el-sep/

5. 3. Kongress der ISL: Internationaler Aufruf zur Neuformierung antikapitalistischer, sozialistischer und revolutionärer Kräfte, lis-isl.org